Trends und praktische Tipps zur Berufsorientierung im Unterricht

Deine Zeit ist knapp? Hier findest du die Zusammenfassung

Du bist auf der Suche nach Inspiration für den Unterricht zum Thema Berufsorientierung? Dann kannst du dich hier über zeitgemäße Lehransätze, Praxistipps und handfeste Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung freuen: 

  • Individualität fördern: Softskills werden im Berufsleben immer wichtiger. Interaktive Methoden fördern Schüler:innen dabei, ihre individuelle Stärken und Interessen zu entdecken.
  • Blick über den Tellerrand: Die Qual der Wahl wird immer größer. Deshalb ist Informationskompetenz heute umso wichtiger. Spannende Berufe abseits der Norm können in Referaten, Expert:innenbesuchen und Projekten entdeckt werden.
  • Unternehmen hautnah: Kooperationen ermöglichen Einblicke in die Arbeitswelt – Betriebsbesichtigungen und Gastvorträge sorgen für Praxisnähe.
  • Schulen unter den Top 3-Unterstützern für Jugendliche bei der Berufswahl: Eine aktuelle Studie bekräftigt die Wichtigkeit der Berufsorientierung in der Schule.

Die Schulzeit und ganz besonders die letzten Schuljahre vor dem Abschluss sind eine wegweisende Phase im Leben junger Menschen. Denn neben den schulischen Anforderungen wird plötzlich eine Frage immer wichtiger: Was kommt nach der Schule?

Sich ständig verändernde Anforderungen, hohe Komplexität, eine Flut an Informationen - das sind nur einige der Hürden, die auf diesem Weg zu überwinden sind. Und die sich auch auf die Anforderungen an Berufsorientierung in der Schule auswirken. Es wird umso wichtiger, Schülerinnen und Schüler zu ermutigen, ihre Interessen und Stärken zu erkunden und so ihren eigenen Weg zu finden.

Bei der Bandbreite an Aufgaben, die Lehrkräfte heute bewältigen müssen, ist die Umsetzung dessen im Unterricht aber nicht immer einfach. 

Deshalb finden sich in diesem Beitrag praktische Ansätze, Beispiele und konkrete Vorschläge für den Unterricht zur Berufsorientierung. Auch Materialien und vollständig aufbereitete Unterrichtseinheiten stellt Ausbildungskomplzin zur Unterstützen zur Verfügung. Denn ich bin überzeugt, dass zur Berufsorientierung mehr gehört, als nur zu zeigen, wie man eine gute Bewerbung schreibt.

Berufsorientierung vor den Herausforderungen der heutigen Zeit

Der Prozess der Berufsorientierung hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Früher ging es oft darum, Schüler:innen auf den bevorstehenden Bewerbungsprozess in traditionellen Berufsbildern vorzubereiten. Die Anorderungen in der heutigen Arbeitswelt haben sich aber stark verändert und werden dies auch weiterhin tun. Einige der Trends sind:

  • veränderte Machtverhältnisse: vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt
  • zunehmende Individualisierung
  • hohe Veränderungsgeschwindigkeit und Komplexität
  • hohe Informationsdichte und -verfügbarkeit
  • Digitalisierung und künstliche Intelligenz
  • Soft Skills sind zunehmend wichtiger als Hard Skills

Daher ist es von großer Bedeutung, dass Berufsorientierung im Schulunterricht nicht auf das Schreiben von Bewerbungen reduziert wird. Vielmehr - und das trifft auf viele andere Lebensbereiche ebenfalls zu - muss das Ziel sein, Schüler:innen die Kompetenz zu vermitteln, sich in dem Dickicht an Informationen zurechtzufinden und ihre eigenen Stärken und Interessen kennenzulernen. Kreative und interaktive Lehrmethoden können dabei perfekt unterstützen. 

Weg von klassischen Berufsbildern, hin zu mehr Individualität

Natürlich gibt es sie auch heute noch, die ganz klassischen Berufsbilder. Kaufleute, Elektroniker:innen, medizinische Fachangestellte, Bäcker:innen und viele mehr. Trotzdem ist auch in diesen Berufen ein Trend nicht zu verleugnen: Die zunehmende Individualisierung.

Die Arbeitswelt von heute erfordert Individualität und Vielseitigkeit. Einheitslösungen und starre Berufsbilder gehören der Vergangenheit an:

Die Arbeit in Bäckerei 1 sieht nicht mehr zwangläufig so aus wie in Bäckerei 2. Hinzu kommen immer mehr neue Berufe, denn auch die allgemeinen Rahmenbedingungen ändern sich immer schneller. Oder wer hätte sich noch vor wenigen Jahren vorstellen können, wie breit zugänglich heute schon künstliche Intelligenz ist?

Unternehmen brauchen aber zunehmend mehr Flexibilität und profitieren von mehr Individualität in ihrer Belegschaft. Und Softskills wie eine schnelle Auffassungsgabe oder kritisches Mitdenken werden immer wichtiger.

Darüber hinaus verändern wir uns auch als Gesellschaft. Die Lebensmodelle sind heute deutlich vielfältiger als noch vor 10-15 Jahren. Damit einher geht, dass jüngere Generationen immer stärker mehr Individualität und Flexibilität bei den Arbeitsbedingungen fordern - und das in ihrer starken Verhandlungsposition auch können.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass es für junge Menschen immer wichtiger wird, ihre eigenen Stärken, Talente und Interessen zu kennen, um so gute Entscheidungen in Bezug auf ihre Berufsleben treffen können.

Mehr ist nicht immer besser: Zu viele Wahlmöglichkeiten können auch blockieren

Berufliche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es heute so viele wie Grashalme auf der grünen Wiese. Allein die Anzahl an anerkannten Ausbildungsberufen in Deutschland liegt bei über 300 und steigt jedes Jahr aus den eben beschriebenen Gründen weiter an. Ein ähnliches Bild sehen wir bei den verfügbaren Studienfächern. Während es natürlich toll ist, so viele Möglichkeiten zu haben, macht es die Entscheidung jedoch nicht gerade einfach.

Häufig verfallen wir in eine Art "Schockstarre", wenn wir uns mit zu vielen Optionen konfrontiert sehen und treffen dann gar keine Entscheidung. Umso wichtiger ist es deshalb, Schüler:innen im Unterricht zur Berufsorientierung beim Navigieren durch diese Vielzahl an Informationen zu helfen.

Informationskompetenz als Schlüsselkompetenz unseres Zeitalters

Eine gute Informationskompetenz ist nicht nur im Unterricht zur Berufsorientierung wichtig, sondern in allen Lebensbereichen. Denn wir müssen

  • in einer Masse an Informationen diejenigen identifizieren können, die wir zur Entscheidungsfindung benötigen,
  • seriöse und unseriöse Quellen erkennen können und
  • verschiedene Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung nutzen - online und offline

Wenn wir daran denken, uns zu informieren, fällt uns oft ausschließlich das Internet ein. Aber genau da kann uns die Vielzahl an Informationen eben auch erschlagen. Dann hilft es, wenn wir vorher schon eine ungefähre Richtung dessen kennen, was wir eigentlich suchen.

In Bezug auf Berufsorientierung kann das heißen: Wir kennen unsere Stärken, Neigungen, Interessen. Es haben Gespräche mit vertrauten Personen zur Berufswahl stattgefunden. Wir informieren uns über Berufswege in unserem Familien- und Bekanntenkreis, kennen vielleicht sogar einige lokale Unternehmen. Und ja - natürlich informieren wir uns auch im Internet.

Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2022 hat jedoch gezeigt: Für Schüler:innen sind gerade persönliche Kontakte ein ganz wichtiger Anhaltspunkt bei der Berufswahl.

Schulen und Lehrkräfte als wichtige Unterstützung bei der Berufsorientierung

In dieser Studie werden als wichtigste Unterstützung bei der Berufswahl nach den Eltern direkt die Schulen und Lehrkräfte genannt. In meinen Augen ein tolles Kompliment, denn es spricht auch für das Vertrauen der jungen Menschen in ihre Lehrerinnen und Lehrer als Mentor:innen auf ihrem Werdegang. Das macht es gerade so wichtig, den Unterricht zur Berufsorientierung zeitgemäß zu gestalten.

Bei der Bandbreite an Rollen und Aufgaben, die Lehrer:innen wahrnehmen sollen, ist das nicht immer leicht. Deshalb nun etwas Inspiration zur Unterrichtsgestaltung.

Kreativität und Individualität auch im Unterricht: Berufsorientierung zum Anfassen

Ein wichtiger Ansatzpunkt für eine gelungene Berufsorientierung im Schulunterricht sind kreative und interaktive Lehrmethoden. Statt trockener Vorträge und theoretischer Konzepte sollten Lehrer:innen auf abwechslungsreiche und praxisnahe Unterrichtseinheiten setzen. Schüler:innen lernen am besten, wenn sie aktiv einbezogen werden und selbst handeln können.

Mit spielerischen Elementen, Gruppenarbeiten, Rollenspielen und praktischen Übungen können Schüler:innen ihre Fähigkeiten erproben und anwenden. Diese Art des Lernens fördert nicht nur das Verständnis, sondern macht den Unterricht auch spannend und abwechslungsreich. Zudem werden Schüler:innen ermutigt, aus ihrer Komfortzone herauszutreten und neue Erfahrungen zu sammeln. So lernen sie auch sich selbst besser kennen.

Bedeutung von praktischem Lernen, Mitmachen und Vorbildern

Praktisches Lernen und Mitmachen sind essenziell für eine gelungene Berufsorientierung. Denn theoretisches Wissen allein reicht nicht aus, um die Anforderungen der modernen Arbeitswelt zu meistern. Schüler:innen sollten die Möglichkeit haben, praktische Erfahrungen zu sammeln und Einblicke in reale Arbeitsprozesse zu erhalten.

Deshalb ist es besonders sinnvoll, Betriebsbesichtigungen, Praktika oder Gastvorträge von Fachleuten aus Wirtschaft und Industrie zu organisieren. Schüler:innen können so hautnah erleben, wie verschiedene Berufsfelder aussehen und welche Fähigkeiten dort gefragt sind. Zudem dienen Vorbilder aus der Arbeitswelt als Inspiration und Ansporn für die Schüler:innen, ihre beruflichen Ziele zu verfolgen. 

Unternehmen hierfür zu begeistern, dürfte heute ein Leichtes sein. Denn viele von ihnen haben aufgrund des Fachkräftemangels große Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Daher freuen sie sich häufig über die Möglichkeit, mit Schulen in den Austausch zu gehen.

Beispiele für kreative Methoden zur Berufsorientierung

Doch nun ans Eingemachte. Hier sind einige kreative Methoden, die mehr Abwechslung in den Unterricht zur Berufsorientierung bringen:

  1. Kooperationen mit lokalen Unternehmen: Vertreter:innen aus lokalen Unternehmen kommen - häufig mit Auszubildenden - in die Schule und stellen sich und ihre Ausbildungsberufe vor. Anschließend haben interessierte Schüllerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich bei einer Betriebsbesichtigung vor Ort selbst einen Eindruck zu verschaffen.
  2. Rechercheaufgaben: Schülerinnen und Schüler sollen über Themen rund um den Berufseinstieg recherchieren. Themen könnten sein: Die Ausbildungsberufe mit den höchsten/niedrigsten Anzahl Auszubildenden in Deutschland/im Bundesland/im Landkreis; besonders ausgefallene Berufe; Berufe im Bekanntenkreis.
  3. Interviews führen: Schülerinnen und Schüler führen Interviews mit Personen, deren Berufsbild sie besonders interessant finden und stellen es der Klasse vor.
  4. Projekt "Berufseinstiegsmesse": Die Klasse - oder noch besser die Jahrgangsstufe - organisiert eine kleine schulinterne Messe, bei der Berufseinstiegsmöglichkeiten, Ausbildungsberufe, Studiengänge und vieles mehr präsentiert und vorgestellt werden können. Hier könnten beispielsweise auch Eltern und Expert:innen für kleine Gastvorträge eingeladen werden.
  5. Praktika, Girls'/Boys' Day und Berufsfelderkundungstage: Ja, der Klassiker. Aber auch das aktive Reinschnuppern in Betriebe darf natürlich bei der Berufsorientierung nicht zu kurz kommen.
  6. Bewerbungstrainings mit Unternehmensvertreter:innen: Der große Vorteil von Kooperationen mit Unternehmen ist zum Beispiel auch, dass solche Aktionen meistens recht problemlos umzusetzen sind. Ein Vertreter oder eine Vertreterin des Personalbereichs kommt vorbei, um mit den Schülerinnen und Schülern realistische Bewerbungssituationen durchzuspielen und aus dem Nähkästchen zu plaudern.  

Die Umsetzung solcher kreativen Methoden zur Berufsorientierung im Schulunterricht hat nachweislich positive Auswirkungen auf die Schüler:innen. Sie erhalten nicht nur Einblicke in verschiedene Berufsfelder, sondern entwickeln auch ein besseres Verständnis für ihre eigenen Stärken und Interessen. Indem sie praktisch erfahren, wie unterschiedliche Berufe aussehen und welche Fähigkeiten gefragt sind, können sie fundierte Entscheidungen über ihre berufliche Zukunft treffen.

Berufsorientierung im Schulunterricht als Schlüssel zur individuellen Berufswahl

Die Berufsorientierung im Schulunterricht ist ein entscheidender Baustein für die individuelle Berufswahl der Schüler:innen. Sie bietet die Möglichkeit, verschiedene Berufsfelder kennenzulernen, eigene Stärken und Interessen zu entdecken und praktische Erfahrungen zu sammeln. Kreative und interaktive Lehrmethoden fördern das aktive Lernen und ermutigen die Schüler:innen, ihren eigenen Weg zu finden.

Die Verbindung zur Arbeitswelt durch Partnerschaften mit Unternehmen und die Rolle der Lehrer:innen als Wegbegleiter tragen dazu bei, die Schüler:innen bestmöglich auf ihren Übergang in die Arbeitswelt vorzubereiten. Die Berufsorientierung im Schulunterricht trägt dazu bei, den Schüler:innen Selbstvertrauen zu vermitteln und sie darin zu unterstützen, ihren individuellen Weg zu gehen.


In diesem Sinne steht Ausbildungskomplizin natürlich ebenfalls als Partnerin zur Seite. Gerne komme ich in die Schule und informiere in Schulklassen oder aber die Lehrer:innen und Lehrer zum Thema Berufsrientierung, Ausbildung, Trends der Arbeitswelt und Auswahlverfahren. 

Aller Anfang muss nicht schwer sein: Wege zum Berufseinstieg
Generation Z und Alpha im Arbeitsmarkt: Verstehen, Ansprechen und Binden

Lara Hofmann

Mit Herzblut dabei, wenn es darum geht, jungen Menschen einen erfüllenden und erfolgreichen Start in das Berufsleben zu ermöglichen.

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